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PODIUM – IDEA SPEKTRUM

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Auswanderer auf Zeit

Sommerpause – die tut gut. Stunden an der Sonne, Musse für ein gutes Buch, Liegengelassenes erledigen, Austausch mit Freunden. Ja, Ferientage haben ihren erholsamen Charakter, wenn sie begrenzt sind, der spätere Alltag uns erwartet und die Versorgung gesichert ist. Bedrohlich kann die Ruhe werden, wenn Unsicherheit, brüchige Beziehungen, eine gekündigte Arbeitsstelle oder andere Herausforderungen uns erwarten. Vor wenigen Tagen verbrachten wir an einem Regentag einige Stunden in einem Museum. Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven erzählt Geschichten – authentisch ist der Standort, sind die Biographien und ist die Inszenierung. Wir tauchten in die Welt von Menschen und deren Schicksale ein. 7,2 Mio. sind seit 1852 aus diesem Auswandererort in die weite Welt gefahren – manche aus purer Not, andere mangels Perspektiven, nicht wenige um der Verfolgung zu entfliehen, einige aus reiner Abenteuerlust. Der Auswanderungskomplex ist mit dem Einwanderungshaus verbunden. Anhand von 34 realen Familien wird Anteilnahme an ihren Geschichten über die vergangenen 300 Jahre möglich. Menschen kamen aus unterschiedlichsten Gründen, nicht wenige wurden aktiv geholt. Ich bin dankbar, nach den Tagen an der Nordsee wieder nach „Hause“ zu kommen. Der Wert eines Zuhauses wurde mir neu bewusst. Wirkliche Heimat – mit vorbehaltloser Annahme – wird wohl erst im „ewigen Zuhause“ möglich sein. Versuchen wir doch, all „den Reisenden dieser Welt“ bereits hier einen authentischen Vorgeschmack zu ermöglichen!

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 26. JULI 2017 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

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