• klar.sozial

Idea Spektrum

c_400_266_25717_hadorn-philipp

PODIUM – IDEA SPEKTRUM

Von Freiheit & Wahrheit

Bürgerliche Kreise, Verbandsspitzen von Gewerbe und Handelskammern schreien nach Bürokratieabbau, weniger Gesetzen und mehr Freiheit. Will man in Debatten die Schlagworte konkretisieren, stösst man an Grenzen. Ein Schutzzoll hier, eine Exportgarantie dort. Dazu garantierte Mindestpreise oder Absicherung bei Ernteausfall? Bei Auftragsvergaben ein Heimvorteil oder Gegengeschäfte? Diese Einschränkungen und Regulierungen feiern Hochkonjunktur. Wenn es aber um den Schutz der Schwachen, Prävention und soziale Sicherheit geht, werden die plakativen Haudegen wieder munter gezückt. Dieses Jahr feiert das Blaue Kreuz seinen 140. Geburtstag. Das geltende Alkoholverbot auf Autobahnraststätten hat schon viele Menschen vor dem Fahren in angetrunkenem Zustand und Unfall bewahrt. Just in diesem Jahr starten Dogmatiker erneut einen Angriff auf die bewährte Schutzbestimmung. Einschränkungen können zu Freiheit und Sicherheit anderer Menschen beitragen. Die Waagschale zwischen Schutz und Freiheit ist ein Balanceakt, der immer wieder neu diskutiert werden darf. Wenn nun Ausgrenzer das Verteilen von religiösen Büchern unter Strafe stellen wollen, geht es zu weit. Heute ein Verbot für die Koranverteilung, und morgen? Es ist gut, wenn der Staat dafür sorgt, dass alle Gruppierungen in Einhaltung von Gesetz und Recht, Glauben und Haltungen leben dürfen, und auch Förderung und Akzeptanz unter gleichen Voraussetzungen erhalten. Der Staat verwaltet nicht die Wahrheit, soll aber Gerechtigkeit sichern. Dies gilt auch für J+S-Beiträge und Leistungen gemäss Kinder- und Jugendförderungsgesetz!

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 14. JUNI 2017 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PODIUM – IDEA SPEKTRUM

I have a dream

Während des Jubiläumsjahres des Reformators halte ich vor Studierenden der Uni Bern ein Referat über Martin Luther, also konkret über Martin Luther King jr. (MLK). Nicht über den Reformator, der mit seiner Glaubenserkenntnis Generationen prägt(e): Allein durch die Heilige Schrift – Rettung allein durch Glaube, Gnade, Christus. Ich sprach über den schwarzen Baptistenpfarrer aus dem Süden der USA, der aus dem Glauben an Christus eine gesellschaftliche Revolution auslöste. Das soziale Unrecht, die Rassentrennung mit anhaltender Diskriminierung der „Sklavenkinder“ machten den Pfarrer zum Bürgerrechtler. Mit dem Marsch auf Washington 1968 führte dies zur Verabschiedung des „Civil Rights Act“. Der gewaltfreie Widerstand brachte wichtige Schritte zur Gleichstellung und MLK den Friedensnobelpreis. Seine Ablehnung des Vietnamkrieges liess ihn bald zur „Persona non grata“ im Weissen Haus und auch bei einigen seiner Mitkämpfenden werden. Das Zeugnis von Martin Luther King liess Tausende Menschen etwas von der revolutionären Kraft des Evangeliums erleben.

Um den 1. Mai 2017, wo die Schweizer Gewerkschaftsbewegung den Slogan „Zukunft für alle, sozialer, gerechter“ durch die Strassen, in Versammlungslokale und Gemeindehäuser tragen, stelle ich mir vor, dass auch viele Christen mit durch die Strassen unserer Dörfer und Städte ziehen. Und, dass sie damit bekennen, dass sie die sozialen Ungerechtigkeiten wahrnehmen und verbannen: sola fide, sola gratia, solus Christus. – I have a dream!

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 04. MAI 2017 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PODIUM – IDEA SPEKTRUM

Podium

Abstimmungen und Wahlen prägen das Leben von Politikerinnen und Politikern. Bei Abstimmungen gilt es, Sachverhalt und Empfehlung zu erklären. Bei Wahlen, sich selbst und die eigenen Positionen bekannt zu machen und zu begründen, weshalb „mein Name“ auf der Wahlliste erscheinen soll. So weit, so gut. Kandidierende sollten selbst wissen, weshalb sie ein Amt anstreben. Bei Christen hoffe ich, dass dies etwas mit der Suche nach Berufung zu tun hat. Wählende haben Anspruch, etwas von mir zu erfahren. Meine Wahlen für Kantons- und Nationalrat prägte mein Slogan: klar.gewerkschaftlich, klar.christlich, klar.sozial. Berater meinten, mit meiner „Triologie“ würde ich Wählende vergraulen. Ich sehe darin eine grosse Schnittmenge und will diese deklarieren. Mit Erstaunen entnahm ich dem Interview eines Nationalratskollegen in ideaSpektrum die Aussagen: „Mein Auftritt ist konsequent auf die Interessen der KMU ausgerichtet“ und „es gibt keine christliche Politik“, aber der Glaube sei vermehrt in der Öffentlichkeit zu thematisieren. Als bekennender Christ, Sozialdemokrat, Gewerkschafter und Nationalrat bin ich dem Gemeinwohl verpflichtet. Eine blinde Interessenvertretung für die eigene Klientel würde für mich im Widerspruch stehen zur „Suche nach der Stadt Bestem“¹. Auch wenn es im Detail schwierig sein mag, zu beurteilen, was eine christliche Politik ist, glaube ich immer häufiger zu erkennen, dass es in gewissen Fragen eine klar unchristliche, der Lehre Christi widersprechende Politik gibt. Diese meide ich.

¹Jeremia 29,7 – die Politik soll dem Gemeinwohl verpflichtet sein

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 22. MÄRZ 2017 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PODIUM – IDEA SPEKTRUM

Podium

Just am Montag, nach Erlass des Einreisebannes durch den neuen US-Präsidenten, fliege ich an eine Konferenz nach Washington D.C. Namen von Reisenden erscheinen beim Abfluggate auf der Anzeigetafel. Meldung beim Boarding-Desk wird verlangt. Später verlassen einige dieser Wartenden das Gate. Es waren Menschen, welche – wie ich – mit gültigem Ticket und Visum in die USA reisen wollten. Doch Trumps Fremdenhass grenzt sie aus. Auf dem Flughafen in Dulles werden wir von einer riesigen Menschenschar mit Plakaten empfangen: „Willkommen in den USA“, „Solidarität statt Ausgrenzung“, „Miteinander statt Gegeneinander“. Hilfswerke bieten kostenlose Anwälte für Personen, welchen die Einreise verweigert wird. Donald Trump, der Meister des Spiels mit der Angst, der Erbauer überwundener Grenzen für Menschen und Güter, der Prediger von Steuersenkungen und Ernenner von Hörigen und Kollegen aus dem eigenen Business-Netzwerk, schafft Fakten. Vor wenigen Wochen wurde er in den USA gewählt. Tausende sprechen bereits von einem Fehlentscheid. Und wir? Wir gehen am 12. Februar abstimmen: Plünderung der Staatskasse mit massiven Steuersenkungen für Unternehmen und ein aus der Balance geratener Strassenfond NAF stehen im Angebot, dazu die Frage, ob der dritten Generation von Menschen mit Herkunft aus anderen Ländern die Hürde zum Schweizer Pass ein wenig gesenkt werden soll. Auch wenn wir Christen aus Gnade leben, dürfen wir Geist und Verstand durchwegs vor Entscheidungen in Anspruch nehmen.

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 8. FEBRUAR 2017 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PRO UND KONTRA – IDEA SPEKTRUM

USR III – Notwendigkeit oder Betrug?

UNTERNEHMENSSTEUERREFORM III Gewisse Steuerprivilegien sollen durch international akzeptierte Entlastungsmassnahmen ersetzt werden. Ist das ein tragfähiger Kompromiss oder ein Betrug?

KONTRA:

Einen Einnahmenausfall von 80 Mio. Franken im Jahr prognostizierte der Bundesrat für die USR II. Nach knapper Annahme 2008 zeigt die Realität: Kosten ein Vielfaches davon, allein steuerfreie Gewinnausschüttung von über 1000 Mia. Franken. Das Bundesgericht bestätigt eine „krasse Verletzung der Abstimmungsfreiheit“ durch den Bundesrat, verbunden mit „Fehlinformation durch Unterdrückung“ und „systematischer Irreführung“ der Stimmbürger. Die USR III erfolgt auf internationalen Druck. Endlich muss das „Holding-Privileg“ abgeschafft werden, wie vorher das Steuergeheimnis auf Fluchtgeldern. Eigenartige Blüten, die für alle Firmen gelten sollen, dringen durch den Steuer-Dschungel der USR III: eine Art „Neophyten“. Invasive Neophyten, gebietsfremde Pflanzen- arten, breiten sich unkontrolliert aus und richten enorme Schäden an. Der NID, die zinsbereinigte Gewinnsteuer, ermöglicht es, fiktive Zinsen auf dem Eigenkapital steuerlich abzuziehen. Als Vergleich: Hauseigentümer können bezahlte Zinskosten am Einkommen abziehen, als wäre das Haus zu 100 Prozent fremdfinanziert. Forschung und Entwicklung haben in der Schweiz einen hohen Stellenwert: Zu Recht werden diese Aufwände geltend gemacht. Die USR III will diese Sonderabzüge allerdings mit dem Faktor 1,5 zulassen, also zu 150 %. Wer kann schon den Arbeitsweg, Bildungs- oder Renovationskosten mit einem fiktiven Zuschlag von 50% beim steuerbaren Einkommen abziehen? Fazit: Auch die USR III baut auf Betrug, gefährdet die Finanzierung der staatlichen Leistungen wie Bildung, Verkehr, soziale Wohlfahrt und Rechtsstaat, und bringt Kantone, Gemeinden und Landeskirchen in finanzielle Not. Den USR-III-Betrug wird kaum ein ehrlicher Mensch stützen wollen, deshalb NEIN zur USR III.

Philipp Hadorn ist Nationalrat der SP und Sekretär bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV.

DARUM GEHT ES Aufgrund internationalen Drucks müssen kantonale Steuerprivilegien für Statusgesellschaften abgeschafft werden. An ihrer Stelle sollen akzeptierte Ersatzmassnahmen eingeführt werden, welche die Attraktivität des Standortes Schweiz für multinationale Unternehmen erhalten sollen. Argumente dafür: Das Referendum verschleppt das Problem. Die bestehende Rechts- unsicherheit kann zu einer Abwanderung von Unternehmen führen. Um dies zu verhindern, müssten die Kantone die Steuern senken zu Lasten der Einkommenssteuern bei den Bürgern. Argumente dagegen: Die geplanten Entlastungsmassnahmen öffnen neue Steu- erschlupflöcher für ausländische Unternehmen. Die Kosten der Massnahmen sind unberechenbar, da sie von der zukünftigen Umset- zung in den Kantonen abhängen. Infrastruktur, Ausbildung, Sicherheit und Stabilität sind ebenfalls wichtige Standortfaktoren.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 1. FEBRUAR 2017 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PODIUM – IDEA SPEKTRUM

Podium

Der Schein der dritten Adventskerze erhellt unsere Stuben. In der Kuppelhalle im Bundeshaus steht nun vor dem 24 Tonnen schweren Monument mit den „drei Eidgenossen“ ein mächtiger Weihnachtsbaum. Zu Fragen der Tabakprävention, Finanzen und der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative ereifern wir uns in den Räten. Schuldenbremse, Budget 2017, Finanzplan 2018-2020 und ein sogenanntes Stabilisierungsprogramm sind traktandiert. Letztere haben es in sich. Stabilität ist Grundlage des Friedens in unserem Land. Dazu gilt es Sorge zu tragen. Kaum jemand möchte Errungenschaften vergangener Jahrzehnte missen: Begrenzung der Höchstarbeitszeit, Mindestanspruch von Ferien, Familienzulagen, Versicherungsleistungen bei Mutterschaft, Krankheit und Unfall, Frauenstimmrecht, Gleichstellung, Renten im Alter und bei Invalidität … Die Liste liesse sich verlängern. Für Gerechtigkeit, Solidarität und Sicherheit braucht es vertrauenswürdige, effiziente und bürgernahe Institutionen und Verwaltungen. Mit einem „De-Stabilisierungsprogramm“ stellen bürgerliche Parlamentsmehrheiten diese Stabilität in Frage. Ein zerstörender Spareifer erfolgt aber nicht etwa aus Not. Trotz wachsender Bevölkerung und Zunahme des Reichtums, sollen vernünftig steigende Staatsausgaben gedrosselt werden, auch die Solidarität mit Leidenden im In- und Ausland. Es wäre wohltuend, die Adventshoffnung mit der Jahreslosung 2017 erfüllt zu sehen: Gott schenkt uns ein neues Herz und legt einen neuen Geist in uns.*

*Hesekiel 36,26

Der Autor ist Nationalrat der SP, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident vom Blauen Kreuz Schweiz, engagiert sich in der evang.-method. Kirche und lebt mit seiner Frau und den drei Söhnen (19, 21 & 24 j.) in Gerlafingen SO, www.philipp-hadorn.ch.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 14. DEZEMBER 2016 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PODIUM – IDEA SPEKTRUM

Podium

Die Themen Grundversorgung und Service public beschäftigen Bevölkerung und Politik regelmässig. Der erneute Umbau der Post füllt Zeitungsspalten. Die SBB macht Schlagzeilen mit ihrem RailFit-Programm, das auch Verkaufsstellen ausdünnt und Arbeitsbelastungen ausreizt. Aus allen Regionen, Parteien und Milieus tauchen Fragen auf. Effizienzprogramme lösen einander ab, bevor laufende umgesetzt sind. Kostensenkungsprogramme können längstens nicht mehr durch Optimierung realisiert werden. Öffentliche Leistungen werden abgebaut, Spar-/Abbauprogramme geschnürt. Just in diesem Moment gibt der Bund bekannt, dass die Jahresrechnung 2017 über 2,2 Mia. besser ausfalle. Gleichzeitig reklamiert der aktuelle Finanzminister, dass der Abbau unbeirrt weitergeführt werde. Die Jagd auf gute Steuerzahlende, Private oder Firmen, führte zu einem Steuerwettbewerb, der plötzlich kantonale und kommunale Budgets in Schieflage bringt. Ja, gesetzliche Projekte in der Pipeline (USR III, NFA u.a.m.) drohen eine eigentliche Einnahmenerosion zu provozieren. Ein weitgehend gut funktionierender Staat wird mit einem Bashing diskreditiert. Während wirtschaftlich Starke locker den Wegfall staatlicher Leistungen mit eigenen Einkäufen wettmachen, rüttelt der Staatsabbau an unseren Grundwerten. Unter dem Titel „Gerechtigkeit macht ein Volk gross“ steht in Sprüche 14,31: „Wer die Schwachen unterdrückt, beleidigt den Schöpfer. Wer Hilflosen beisteht, ehrt Gott.“ Liebe zu Gott wird sichtbar in der Liebe zum Mitmenschen – (m)ein Ansporn!

Der Autor ist Nationalrat der SP, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident vom Blauen Kreuz Schweiz, engagiert sich in der evang.-method. Kirche und lebt mit seiner Frau und den drei Söhnen (19, 21 & 24 j.) in Gerlafingen SO, www.philipp-hadorn.ch.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 01. NOVEMBER 2016 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PODIUM – IDEA SPEKTRUM

Podium

Sie tragen einen „Fisch“ an Ihrer Jacke, einen Kleber auf Tasche oder Fahrzeug? Den christlichen Fisch, ICHTHYS, als Bekenntnis für „Jesus Christus, Gottes Sohn, Retter und Erlöser“? Sie werden darauf angesprochen – mal aus Interesse, mal mit Spott, mal mit Achtung? Sie legen dar, dass dies ein Glaubenssymbol der Christen ist? Nein, nein, es gehe dabei nicht um eine Organisation. Christen aller Kirchen nutzen dies. Fühlen Sie sich nun akzeptiert oder diskriminiert? Sie erwarten, dass Ihr Bekenntnis respektiert wird. Zu Recht! Ich kenne Muslime. In unserem Industriedorf ist ihr Anteil beachtlich. Auch sie tragen ihre Symbole, organisieren sich nach ihren verschiedenen Glaubensprägungen. Ihr Bekenntnis führt oft zu Vorbehalten, Nachteilen und auch zu Angst – gerade von Christen. Ich bin dankbar, in einem Land zu leben, wo Glaubens- und Gewissensfreiheit geschützt sind, auch das Recht für Versammlungen. Auch ich kenne Unbehagen gegenüber Unbekanntem und Fremden. Gespräche erlebe ich zwar gelegentlich mühsam und herausfordernd, aber mehrheitlich bereichernd. Geschützte Rechte dürfen zu keinen Benachteiligungen führen. Bin ich in meiner Beziehung zu Christus verwurzelt, ist mein Leben nicht von Angst geprägt. In Joh. 16,33 sagt uns Jesus, dass er uns „all dies“ gesagt habe, damit wir Frieden haben. Ermutigung ist uns zugesichert. So trage ich „mit Stolz mein Fischli“ und lebe was mich Jesus lehrte: Auch den Gleich- und Andersglaubenden zu achten. Oder gelingt es mir gar, diesen zu lieben?

Der Autor ist Nationalrat der SP, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident vom Blauen Kreuz Schweiz, engagiert sich in der evang.-method. Kirche und lebt mit seiner Frau und den drei Söhnen (19, 21 & 24 j.) in Gerlafingen SO, www.philipp-hadorn.ch.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 28. SEPTEMBER 2016 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

Beitrag als PDF:



c_400_266_25717_hadorn-philipp

PRO UND KONTRA – IDEA SPEKTRUM

Die AHV betrifft alle – jetzt und auch in Zukunft

VOLKSINITIATIVE Die Renten seien längerfristig nicht gesichert, sagen die einen. Deshalb müssten sie rechtzeitig erhöht werden, meinen die andern. Welcher Weg ist generationentauglich?

PRO: 

Altersarmut: Materielle Not von Familien, Alleinerziehenden und Menschen ohne regelmässiges Einkommen ist gravierend, Altersarmut nimmt zu. Rund 193 000 Menschen müssen Ergänzungsleistungen beanspruchen, zunehmend auch Ältere. Würde ist ein Teil der Annahme, welche uns Christus lehrt. Menschen sollen ihren Wert nicht über Funktion, Ausbildung, Titel oder Einkommen definieren, sondern durch die Annahme Christi. Dazu gehört zwingend, dass Menschen ihren täglichen Bedarf decken und am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Jesus ergriff Partei für diejenigen, welche keine Versorgung hatten, u.a. Witwen, Waisen und Entrechtete. AHV – ein soziales Plus: Die Altersvorsorge der 1. Säule ist ein Schweizer Erfolgsmodell: Alle Beschäftigten zahlen auf ihrem ganzen Einkommen ihre AHV-Beiträge (hälftig Arbeitnehmende und Arbeitgebende), die Bezüge sind unten plafoniert und oben gedeckelt. Die AHV rechnet die Jahre der Kinderbetreuung an, anders als die Pensionskasse, die mehrheitlich Frauen benachteiligt. Pensionskasse unter Druck: Die Renten der 2. Säule sind unter Druck. Die Umwandlungssätze (Grundlage zur Berechnung der Rentenhöhe) sinken ständig, die Zinssätze sind im Keller und die Finanzindustrie verdient masslos. Anders die AHV: Das Umlageverfahren führt die Abzüge direkt ins Portemonnaie der Senioren. Chance AHVplus: Die AHVplus ist die sicherste und effizienteste Altersvorsorge mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Eine Erhöhung von 10%, also +/- 200 Fr. pro Monat für Einzelpersonen bzw. 350 Fr. für Ehepaare, ist mit plus 0,4% durch Arbeitgebende und -nehmende finanzierbar. Dieser Akt der Solidarität sichert den Generationenvertrag und bedeutet Solidarität mit zwei Dritteln der Rentner, deren Haupteinkommen die AHV ist … und auch Würde.

Philipp Hadorn ist Nationalrat der SP und u.a. Mitglied der Kommission für Verkehr. Der Zentralsekretär der Gewerkschaft SEV und 3-fache Vater wohnt in Gerlafingen SO.

DARUM GEHT ES BEI DER ABSTIMMUNG Die Volksinitiative „AHVplus“ wurde von den Gewerkschaften lanciert und fordert ab 2018 einen Zuschlag von 10 Prozent auf alle bestehenden und künftigen Altersrenten der Alters- und Hinterbliebenenversicherung (AHV). Die 1. Säule erhält damit eine höhere Gewichtung. Argumente der Befürworter: Die Renten hinken den Löhnen hinterher. Die Erhöhung der Renten stellt im Sinne der Verfassung sicher, dass allen Bürgerinnen und Bürgern der gewohnte Lebensunterhalt auch in Zukunft zur Verfügung stehen wird. Argumente der Gegner: Die AHV muss gesichert und soll nicht ausgebaut werden. Die Initiative bringt eine grosse Kostensteigerung mit sich. Eine pauschale Erhöhung der Renten macht wenig Sinn; die angestrebte Gesamtreform der Altersvorsorge ist nachhaltiger. (Quellen: Abstimmungsbotschaft, www.politnetz.ch; Redaktion: tf)

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 07. SEPTEMBER 2016 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ



c_400_266_25717_hadorn-philipp

Podium – Idea Spektrum

Podium

Gerade haben Sie sich entschieden, diese Kolumne zu lesen. Das freut mich! Tagtäglich haben wir Entscheidungen zu treffen – sei dies für den Morgenkaffee, den Anruf an einen Freund, den Besuch bei der Nachbarin, den Zvieri für die Tochter, das Öffnen eines Briefes, die Annahme eines Auftrages, die Erledigung einer Arbeit, die Zeit für einen Moment der Stille.  (mehr …)