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Einmischung — natürlich im Sinne der Natur! – INSIST

Einmischung — natürlich im Sinne der Natur!

In der Schweiz gibt es wohl mehrere 100’000 Menschen, die bekennen, ihre Haltungen und Wertvorstellungen aus der Bibel und einer «persönlichen Beziehung zu Jesus Christus» abzuleiten. Sie treffen sich in Hunderten von Kirchen und Gemeindehäusern. Diese Organisationen haben mehrere tausend Angestellte. Es ist ein Privileg, wenn in einem Land die verbindliche Beziehung zum dreieinen Gott – und damit auch zum Schöpfer – einen solchen Stellenwert hat.

Sobald aber gesellschaftliche Fragen auf dem Tablett der direkten Demokratie zur Stellungnahme vorliegen, die weder die Sexualmoral noch den Beginn des Lebens betreffen, wird die «christliche Stimme» erstaunlich still. Wenn es um das Eigentum, die Organisation der Wirtschaft, die Lohngestaltung, die Rechte der Arbeitneh- menden und Minderheiten oder um den Umgang mit natürlichen Ressourcen geht, verstummen die Stimmen der «Gott-Vertrauten» und ihrer Organisationen.

Haben sich die Christen aus der Diskussion um die aktuellen Fragen unserer Gesellschaft verabschiedet? Haben der Umgang mit der Schöpfung und die daraus folgenden Fragen ihren Platz in der Kirche verloren?

Eigentlich liegt es doch in der «Natur der Sache», dass aus einer lebendigen Gottesbeziehung auch Positionen zu aktuellen Gesellschaftsfragen entstehen. Die «vertikale Beziehung» zu seinem Vater hat sich bei Jesus Christus auch «horizontal» ausgewirkt. Ich träume davon, dass die Kirche wieder politisch wird, Positionen bezieht und damit «bestimmungsgemäss» Entscheidendes zur Bewahrung der Schöpfung beiträgt. Dieses gelebte Bekenntnis von Christen wird andern Menschen etwas aufzeigen von der Wirklichkeit, die sich im angebrochenen Reich Gottes manifestiert.

Philipp Hadorn, 50 j., ist SP-Nationalrat, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Präsident vom Blauen Kreuz Schweiz, hat drei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau in Gerlafingen SO, wo er sich in der evangelisch-methodistischen Kirche engagiert.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IM JUNI 2017 IM MAGAZIN INSIST

 

 



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Solidarität ohne Grenzen – Insist

Solidarität ohne Grenzen

Sind Sie Schweizer oder Schweizerin? Haben Sie einen EU-Pass? Oder zählen Sie sich zu einer anderen Nationalität? Für die ersten Christen war die Nationalität schon bald keine Frage mehr.

Sie zogen ausser Lande, um das Evangelium Christi zu verkünden. Die Apostel sammelten gar Geld im Ausland für die verarmte Gemeinde in Jerusalem. Die grenzüber- schreitende Solidarität zeigte etwas auf: Gemeinsame Regeln, gegenseitige Unterstützung und inhaltliche Auseinandersetzungen – hier zum Spannungsfeld «Glauben und Leben» – gehören eng zusammen.

Die Europäische Union (EU) mag an Ausstrahlungskraft verloren haben. Auffallend sind die unterschiedlichen Lebensverhältnisse in den Mitgliederländern. Von einzelnen Parteien wird der Exit proklamiert und der Nationalismus nimmt zu.

Der kulturelle und wirtschaftliche Austausch hätte eigentlich Wohlstand für alle bringen sollen, und nun kommen gesellschaftliche und ökonomische Differenzen deutlich zum Vorschein. Bei der Auseinandersetzung, nach welchen Prinzipien und Regeln Staat und Wirtschaft funktionieren sollen, tauchen Widersprüche auf: Soll der Glaube an den Wettbewerb oder die gegenseitige Unter- stützung die Zukunft Europas prägen?

Die abendländische Kultur hat ein christliches Erbe. Die Anerkennung von Gleich- und Andersdenkenden lässt sich gerade auch mit dem christlichen Bekenntnis begründen. Es ndet einen Ausdruck in Menschenrechten, persönlichen Freiheiten und sozialem Ausgleich. Generation für Generation erleben wir das Hinterfragen der internationalen Zusammenarbeit. Bündnisse werden eingegangen, um Frieden zu sichern, Märkte zu erschliessen, Not zu lindern und persönliche Vorteile zu ergattern. Der Motivationen sind viele.

Ich bin überzeugt, dass Christen auch ihre nationale Identität bewahren dürfen. Gleichzeitig sollten sie die Stärke haben, auch andere Identitäten zu achten und zu respektieren. Diese Offenheit kann zu Verunsicherungen führen. Austausch und Solidarität mögen etwas kosten. Aber der Mut zur Nachfolge und Jüngerschaft auch in der Begegnung mit dem Nächsten hat eine Verheissung, welche jeden Aufwand wettmacht: Das ist nichts weniger als erlebte Gnade!

Philipp Hadorn, 50 j., ist SP-Nationalrat, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Präsident vom Blauen Kreuz Schweiz, hat drei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau in Gerlafingen SO, wo er sich in der evangelisch-methodistischen Kirche engagiert.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IM APRIL 2017 IM MAGAZIN INSIST

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Wer in Gott eintaucht, taucht bei den Armen wieder auf! – Insist

Wer in Gott eintaucht, taucht bei den Armen wieder auf!

Das Bildungsangebot der Schweiz ist beachtlich. Grundsätzlich gibt es in der Schweiz einen Konsens über die Bedeutung der Chancengleichheit. Erst seit den kürzlichen Sparübungen im Parlament wird am Prinzip der unentgeltlichen Erstausbildung kräftig geritzt. Aber: Für die Entwicklung eines Menschen sind nach aktueller Lehre «lieben, fördern und fordern» lebenswichtig. Gegenwärtig werden die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Jungen von «Staatsabbauern und Steuer-Erosionisten» bereits in der Schweiz arg bedrängt, in Entwicklungsländern ist die Situation dramatisch.

Bei einem Besuch in Madagaskar musste ich kürzlich zur Kenntnis nehmen, wie viele Kinder wegen den Materialkosten auf den Schulbesuch verzichten. Mit der Abgabe von UNICEF-«School-Kits» wird durch Partnerorganisationen versucht, hier Abhilfe zu schaffen. In Kriegs-, Flücht- lings- und Katastrophengebieten werden heute Millionen von Kindern ihrer Chancen beraubt. Es fehlt an einer gesetzlichen Grundlage der Durchsetzung und/oder Infrastruktur, damit die Basis zur Entwicklung gelegt werden kann. Laut Parlamentsbeschluss sollte die Schweiz 0,7% des Nationaleinkommens in die Entwicklung von Menschen ausserhalb ihrer Grenzen investieren. Aktuell drückt das Parlament diese Beiträge auf unter 0,5%. Dabei geht es um Millionen – nicht nur Franken, sondern auch um Menschen in Not, Armut und im Krieg – oder auf der Flucht. Was hat dies alles mit «integriertem Christsein» zu tun? Kann ich Loblieder singen und vorbeigehen, wenn andere verwundet sind? Kann ich beten, ohne selbst zu handeln? Kann ich mich entscheiden zwischen evangelikal und sozial? Das zu beantworten haben viele versucht. Diese Antwort trifft den Kern: «Wer in Gott eintaucht, taucht bei Menschen – bei den Armen – wieder auf!» Vielleicht ist dies das wahre Geheimnis der Jahreslosung 2017*, sicher aber der Schlüssel zu einer gelebten Solidarität!

*Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch (Hes 36,26).

Philipp Hadorn ist Nationalrat SP, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV und lebt mit seiner Frau und den drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der evangelisch-methodistischen Kirche engagiert.

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Geld verändert uns – Insist

Geld verändert uns

«Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig», lautet eine Redewendung. Je nach Milieu und Lebenssituation kennen wir das aus eigener Erfahrung: Wenn noch viele Rechnungen zu bezahlen sind, kann der Spielraum eng werden. Fakt ist aber auch: In der Schweiz sind finanzielle Mittel vorhanden und zwar reichlich. Für die Schweiz gilt aber dasselbe wie für Länder mit natürlichen Rohstoffen: Auch mit Geld muss verantwortungsbewusst umgegangen werden. Anvertraute Gaben, Talente und Mittel eröffnen Möglichkeiten. Es gilt, vor Gott, Mitmenschen und uns selbst zu prüfen, wie wir damit umgehen und was wir bewirken wollen (mehr …)



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Die Gesellschaft zum Blühen bringen – Insist

Die Gesellschaft zum Blühen bringen

Herrlich, wie es jetzt wieder blüht! Noch ist nicht bei allen Blüten zu erkennen, ob oder welche Früchte entstehen werden. Geht es uns im Leben nicht auch so? Wir geben unsere Inputs in Beziehungen, Familie, Gemeinde oder Gesellschaft. Wissen wir, was daraus wird? Nicht einmal der Glanz gegenwärtiger Blüten lässt verbindlich auf mögliche Früchte schliessen. (mehr …)



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Für die Freiheit politisieren – INSIST

FREIHEIT IN DER POLITIK

Freiheit ist ein beliebtes politisches schlagwort – sowohl bei linken wie auch rechten Politikern. Freiheit ist aber auch ein schlüsselwort des Reiches Gottes. Zwei christlich motivierte Politiker, Werner Messmer (alt-NR FdP) und Philipp Hadorn (NR SP) erklären, was sie unter Freiheit verstehen und wie sie die biblischen Perspektiven der Freiheit in ihr politisches Wirken einfliessen lassen.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IM APRIL 2016 IM MAGAZIN INSIST

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Freiheit zur suche nach Wahrheit – INSIST

Seit Monaten üchten Tausende von Menschen aus Diktaturen. Angetrieben von der Suche nach Freiheit, denn der Druck auf Menschen fördert die Sehnsucht nach einer ganzheitlichen Freiheit. Ist dies nicht auch eine Chance? Der Wunsch, das eigene Leben gestalten zu können, die eigenen Wertvorstellungen und die persönliche Würde zu nden kann zur Triebfeder für Veränderungen werden. Auf der Flucht vor Repressionen nden Menschen beim Suchen nach einer neuen Zukunft sehr verschiedene Antworten. Das kann verunsichern, bietet aber Chancen und Risiken: Es geht darum, eigene Vorstellungen zu überprüfen, einen Neuanfang zu wagen und auch neu(e) Begegnungen mit Gott und Menschen zu erleben. Menschen, die sich verändern, können zu neuen Lebensweisen, Weltanschauungen und Glaubenshaltungen kommen und irritieren damit das bisherige oder auch das neue Umfeld.

Als freiheitsliebender Mensch möchte ich alle Menschen achten und lieben, unabhängig davon, ob sie zu gleichen Erkenntnissen in Fragen von Gesellschaft und Glaube kommen wie ich. Gleichzeitig nehme auch ich mir die Freiheit, «meine Erkenntnis» zu (er-)leben. Paulus schreibt: «Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden¹.» Vielleicht spricht er hier auch von der Freiheit in Christus, Gleich- bzw. Andersdenkende und -glaubende zu lieben und vorbehaltlos anzunehmen, wie das Jesus auch mit mir gemacht hat. Ich glaube, dass diese Freiheit der Liebe Christi unsere Gesellschaft «hüben und drüben» verändern kann. Für diese Revolution der Liebe Christi bin ich bereit, mit einem offenen Herzen auch grosse Risiken einzugehen.

¹ 2 Kor 5,17

Philipp Hadorn ist Nationalrat SP, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV und lebt mit seiner Frau und den drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der evangelisch-methodistischen Kirche engagiert.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IM APRIL 2016 IM MAGAZIN INSIST



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Halljahr — ein Boden unseres Glaubens – INSIST

Ein leichtes Rütteln, dann ein Ruck: Die Räder haben auf der Landepiste in Zürich aufgesetzt. Auf sicherem Boden verlasse ich das Flugzeug. Die Konferenz in Kuala Lumpur war spannend. Die Gelegenheit, vor Ministern und Parlamentsmitgliedern in Malaysia zur Abschaffung der Todesstrafe zu sprechen, habe ich gerne genutzt. Die Unabhängigkeit dieses Inselstaates von der britischen Kolonialmacht im Jahre 1957 hat viel ausgelöst. (mehr …)



Sich für das Gute entscheiden – Insist

Sonja B. steht im Laden des Grossverteilers vor dem Regal. Drei Sorten Äpfel stehen zur Auswahl: günstige Import-Ware, Schweizer Produkt oder Bio-Äpfel? Das Haushaltbudget ist beschränkt. Es gilt, drei Kinder nebst den Eltern zu versorgen. Die Äpfel aus Südafrika sind perfekt und leuchten hellgrün. Nach einigem Überlegen greift Sonja B. dann trotzdem zu den Bio-Äpfeln, auch wenn sie Flecken aufweisen. «Sie sind zwar teurer, ich habe aber etwas für die Umwelt getan; hoffentlich wurden sie weder von Kindern noch durch Schwarzarbeitende gepflückt», denkt sie. Bei der T-Shirt-Auswahl wird es noch schwieriger. Farbe und Muster führen schliesslich zum Entscheid. «Made in Bangladesh» liest sie zu Hause auf der Etikette. Aus den Medien weiss sie, dass dort Kinderarbeit und der Einsatz von zerstörerischen Chemikalien zu schlimmen Krankheiten führen (mehr …)



Was für ein Leben! – Insist

Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank zur Aufhebung des Mindestkurses zwischen Franken und Euro hat viel Unruhe ausgelöst1. Die Vertreter der Im- port-Branchen reiben sich seither die Hände, Konsumen- tenschützer und der Preisüberwacher drängen auf tiefere Preise, während in der Tourismusbranche über ausblei- bende Buchungen und in der Exportindustrie über man- gelnde Bestellungen geklagt wird

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