Geld verändert uns – Insist

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Geld verändert uns

«Am Ende des Geldes ist noch so viel Monat übrig», lautet eine Redewendung. Je nach Milieu und Lebenssituation kennen wir das aus eigener Erfahrung: Wenn noch viele Rechnungen zu bezahlen sind, kann der Spielraum eng werden. Fakt ist aber auch: In der Schweiz sind finanzielle Mittel vorhanden und zwar reichlich. Für die Schweiz gilt aber dasselbe wie für Länder mit natürlichen Rohstoffen: Auch mit Geld muss verantwortungsbewusst umgegangen werden. Anvertraute Gaben, Talente und Mittel eröffnen Möglichkeiten. Es gilt, vor Gott, Mitmenschen und uns selbst zu prüfen, wie wir damit umgehen und was wir bewirken wollen Einem fragenden und suchenden reichen Mann antwortete Jesus: «Verkauf alles, was du hast, und verteil das Geld an die Armen¹.» Ein solcher Auftrag übersteigt alle Wirkungen der heutigen Sozialversicherungen und Sozialwerke: Das wäre Umverteilung und sozialer Ausgleich pur! Viele Menschen in der Schweiz geniessen eine hohe Lebensqualität und einen Wohlstand, der die Erfüllung vieler Wünsche zulässt. Trotzdem gibt es nicht wenige, die von der Sorge getrieben sind, etwas zu verlieren. Zur Zeit strebt eine Mehrheit des Schweizer Parlamentes tiefgreifende Veränderungen an: Es will Glückspilzen, die durch Landverkauf Gewinne gemacht haben, Steuerprivilegien gewähren und mit der Unternehmenssteuerreform III die staatlichen Einnahmen derart reduzieren, dass der garantierte Zugang zu Bildung, sozialer Wohlfahrt und Infrastruktur nicht mehr für alle möglich ist. Menschen in Notsituationen sollen im Stich gelassen werden und die Solidarität bei der Zusammenarbeit mit Hilfswerken soll zur reinen Imagepflege verkommen. Wollen wir das wirklich? Geld verändert Menschen. Jesus warnt seine Jünger, dass es schwer sei für die Reichen, in Gottes neue Welt zu kommen² und ermutigt sie zu einem andern Umgang mit persönlichem und kollektivem Wohlstand. Er sagt: «Was ihr für einen meiner gering geachteten Geschwister getan habt, das habt ihr für mich getan³.»

¹ Lk 18,22; ² Lk 18,24; ³ Mt 25,40

Philipp Hadorn ist Nationalrat SP, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV und lebt mit seiner Frau und den drei Jungs in Gerlafingen SO, wo er sich in der evangelisch-methodistischen Kirche engagiert.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IM OKTOBER 2016 IM MAGAZIN INSIST

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