PODIUM – IDEA SPEKTRUM

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Podium

Just am Montag, nach Erlass des Einreisebannes durch den neuen US-Präsidenten, fliege ich an eine Konferenz nach Washington D.C. Namen von Reisenden erscheinen beim Abfluggate auf der Anzeigetafel. Meldung beim Boarding-Desk wird verlangt. Später verlassen einige dieser Wartenden das Gate. Es waren Menschen, welche – wie ich – mit gültigem Ticket und Visum in die USA reisen wollten. Doch Trumps Fremdenhass grenzt sie aus. Auf dem Flughafen in Dulles werden wir von einer riesigen Menschenschar mit Plakaten empfangen: „Willkommen in den USA“, „Solidarität statt Ausgrenzung“, „Miteinander statt Gegeneinander“. Hilfswerke bieten kostenlose Anwälte für Personen, welchen die Einreise verweigert wird. Donald Trump, der Meister des Spiels mit der Angst, der Erbauer überwundener Grenzen für Menschen und Güter, der Prediger von Steuersenkungen und Ernenner von Hörigen und Kollegen aus dem eigenen Business-Netzwerk, schafft Fakten. Vor wenigen Wochen wurde er in den USA gewählt. Tausende sprechen bereits von einem Fehlentscheid. Und wir? Wir gehen am 12. Februar abstimmen: Plünderung der Staatskasse mit massiven Steuersenkungen für Unternehmen und ein aus der Balance geratener Strassenfond NAF stehen im Angebot, dazu die Frage, ob der dritten Generation von Menschen mit Herkunft aus anderen Ländern die Hürde zum Schweizer Pass ein wenig gesenkt werden soll. Auch wenn wir Christen aus Gnade leben, dürfen wir Geist und Verstand durchwegs vor Entscheidungen in Anspruch nehmen.

Philipp Hadorn ist SP-Nationalrat, Gewerkschafter des Verkehrspersonals SEV, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN AM 8. FEBRUAR 2017 IM IDEA SPEKTRUM SCHWEIZ

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