Solidarität ohne Grenzen – Insist

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Solidarität ohne Grenzen

Sind Sie Schweizer oder Schweizerin? Haben Sie einen EU-Pass? Oder zählen Sie sich zu einer anderen Nationalität? Für die ersten Christen war die Nationalität schon bald keine Frage mehr.

Sie zogen ausser Lande, um das Evangelium Christi zu verkünden. Die Apostel sammelten gar Geld im Ausland für die verarmte Gemeinde in Jerusalem. Die grenzüber- schreitende Solidarität zeigte etwas auf: Gemeinsame Regeln, gegenseitige Unterstützung und inhaltliche Auseinandersetzungen – hier zum Spannungsfeld «Glauben und Leben» – gehören eng zusammen.

Die Europäische Union (EU) mag an Ausstrahlungskraft verloren haben. Auffallend sind die unterschiedlichen Lebensverhältnisse in den Mitgliederländern. Von einzelnen Parteien wird der Exit proklamiert und der Nationalismus nimmt zu.

Der kulturelle und wirtschaftliche Austausch hätte eigentlich Wohlstand für alle bringen sollen, und nun kommen gesellschaftliche und ökonomische Differenzen deutlich zum Vorschein. Bei der Auseinandersetzung, nach welchen Prinzipien und Regeln Staat und Wirtschaft funktionieren sollen, tauchen Widersprüche auf: Soll der Glaube an den Wettbewerb oder die gegenseitige Unter- stützung die Zukunft Europas prägen?

Die abendländische Kultur hat ein christliches Erbe. Die Anerkennung von Gleich- und Andersdenkenden lässt sich gerade auch mit dem christlichen Bekenntnis begründen. Es ndet einen Ausdruck in Menschenrechten, persönlichen Freiheiten und sozialem Ausgleich. Generation für Generation erleben wir das Hinterfragen der internationalen Zusammenarbeit. Bündnisse werden eingegangen, um Frieden zu sichern, Märkte zu erschliessen, Not zu lindern und persönliche Vorteile zu ergattern. Der Motivationen sind viele.

Ich bin überzeugt, dass Christen auch ihre nationale Identität bewahren dürfen. Gleichzeitig sollten sie die Stärke haben, auch andere Identitäten zu achten und zu respektieren. Diese Offenheit kann zu Verunsicherungen führen. Austausch und Solidarität mögen etwas kosten. Aber der Mut zur Nachfolge und Jüngerschaft auch in der Begegnung mit dem Nächsten hat eine Verheissung, welche jeden Aufwand wettmacht: Das ist nichts weniger als erlebte Gnade!

Philipp Hadorn, 50 j., ist SP-Nationalrat, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Präsident vom Blauen Kreuz Schweiz, hat drei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau in Gerlafingen SO, wo er sich in der evangelisch-methodistischen Kirche engagiert.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IM APRIL 2017 IM MAGAZIN INSIST

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