Fake or truth? – Insist

RSS
Facebook

Fake or truth?

Die Information war klar und deutlich. Viele liessen sich davon überzeugen. Einige blieben skeptisch oder probten den Widerstand. Der Schauplatz verschob sich mehrmals. Die Hauptdarsteller aber blieben: Ein Angeklagter, mehrere Ankläger und viele Anhänger. Die Richter wechselten. Trotz Urteilskraft spielten Gunst, Vorteilssuche und der Kampf um öffentliche Anerkennung beim Urteil entscheidend mit.

Mit dem Wechsel der Gerichte änderten sich die Klagepunkte. Doch jemand blieb konstant: der Ex-Pharisäer, der Gelehrte mit den vielen Antworten auf fast alle Fragen. Er sei viele seiner Lebensjahre einem Irrtum erlegen, bekannte er offen. Unter enormem Einsatz habe er versucht, der geglaubten Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen. Andersdenkende habe er verklagt und verfolgt – mit Erfolg. Und dann erzählte Paulus, gefragt oder ungefragt, sein Erlebnis mit diesem Jesus, dessen Anhänger er eigentlich hatte liquidieren wollen. Eine Begegnung mit Jesus hatte ihn zum «Konvertiten» gemacht. Seinen Eifer lebte er nun als «Apostel» aus. Er gründete Gemeinden und lehrte das Evangelium. Er blieb bei seiner neuen Haltung: in religiösen Versammlungen, in Schulen, vor römischen Beamten wie Felix und Festus, dem jüdischen König Agrippa und wohl auch dem Kaiser in Rom. Seine Lehrbriefe haben es in sich: Bis heute wird unter Christen über deren Aussagen gestritten.

Und ich? – Seit meiner unspektakulären Begegnung mit diesem Christus versuche ich, meine Entscheide denkend, im Austausch mit Menschen, im Lichte der Bibel und im Gebet zu treffen. Meine politischen Positionen konnte ich so in den vergangenen Jahren schärfen. Den Respekt vor Andersdenkenden will ich aber bewahren. Es kann ja sein, dass ich mich in «meinem Eifer» auch gelegentlich irre. Ja, verwurzelt in der «Wahrheit des Kreuzes» will ich den Glauben an die Aufrichtigkeit von Mitmenschen, die zu anderen Haltungen kommen, nicht verlieren. Denn ich gebe freimütig zu: In vielen Sachfragen suche ich in den wechselnden Kontexten immer wieder neu nach der Wahrheit. Mögen wir die Weisheit haben, die Wahrheit zu erkennen und Irrtümer einzugestehen. Paulus lehrt es uns: Der Preis kann hoch sein, aber er lohnt sich. Ich möchte in meinem Leben lieber «Truth» (Wahrheit) als «Fake» verbreiten.

Philipp Hadorn, 50 j., ist SP-Nationalrat, Zentralsekretär der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, Präsident vom Blauen Kreuz Schweiz, hat drei erwachsene Söhne und lebt mit seiner Frau in Gerlafingen SO, wo er sich in der evangelisch-methodistischen Kirche engagiert.

DIESER ARTIKEL ERSCHIEN IM NOVEMBER 2017 IM MAGAZIN INSIST